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Sonntag, 27. September 2015

Cairo, Ägypten

Meine Reiseliste zum Thema „Oldtimer in exotischen Ländern“ ist noch lang. Seit langem jedoch steht Ägypten auf dieser Liste. Schon seit einigen Jahren stehe ich mit Mahmoud Ezzeldin in Kontakt, der sich in Cairo der Belange von Oldtimerbesitzern annimmt und sich außerdem sehr aktiv um 4WD-Fahrten, Rallyesport und alles, was sonst noch denkbar ist zum Thema Auto & Motorsport, kümmert. Wer in Ägypten zu diesen Themen etwas braucht - Mahmoud mit seiner Firma www.vintagewheelsegypt.com ist definitiv der richtige Mann!) Schon öfter habe ich einen Anlauf unternommen, nach Cairo zu fliegen, aber bisher hat es leider nicht geklappt.

Nun stand aber plötzlich ein Event an, der mich ebenfalls interessierte: Die Famile Zapp aus Argentinien, seit Jahren auf Weltreise in einem 1928er Graham-Paige, macht Station in Cairo, erzählt von ihrer Reise und verkauft und signiert ihr erstes Buch.

Kurzerhand nehme ich Kontakt auf und innerhalb von zwei Tagen steht der Entschluss fest, die Reise anzutreten. Ich freue mich auf ein neues „Abenteuer“ und die Menschen, die ich kennenlernen werde. Über die gut gemeinten „Warnungen“ vor einem „so gefährlichen Land wie Ägypten, und dann noch ausgerechnet Cairo!“ mache ich mir bereits keine großen Gedanken mehr – die Erfahrungen in Indien, Kuwait und vor allem im Iran haben gezeigt, dass vor Ort alles eher harmlos ist und das Positive, nämlich die gastfreundlichen Menschen, völlig überwiegen. Die Medienberichterstattung bei uns, im sogenannten Westen, ist nämlich alles andere als sachlich und wirft ein politisch gewolltes, aber tatsächlich völlig verzerrtes Bild auf diese Länder.



Samstag, 12. September 2015

Die Veranstaltung mit der weltreisenden Familie beginnt um 17:00 Uhr in einem Café in Cairo’s Südwesten. Gegen Mittag lande ich in der ägyptischen Hauptstadt, die aus der Luft völlig anders aussieht als andere Städte. Kurz kann ich die Pyramiden erahnen und staune über das abrupte „Ende“ der Stadt, die teilweise einfach an einer Mauer endet, hinter der unvermittelt die Sahara beginnt. Man kennt das zwar von Fotos, in Natura ist es aber doch irgendwie ein erstaunlicher Anblick.

Der Flughafen ist einer der größten, die ich kenne. Die Fahrtzeit vom touch-down bis ans Terminal beträgt knapp 15 Minuten! Trotzdem ist sehr wenig los, nur rund ein Dutzend Flugzeuge stehen herum. Eigentlich erstaunlich, wenn man die Größe der Stadt in Betracht zieht: Cairo & Gizeh haben offiziell zusammen rund 10 Mio Einwohner (der letzte Stand im Internet ist von 2006) – tatsächlich spricht man hier jedoch von ca. 20 Millionen, wie ich bald erfahren sollte.



Das Visum bekommt man für umgerechnet knapp 25 Euro an einem Bankschalter auf dem Weg zu den Einreiseschaltern. Ohne jede weitere Prüfung erhält man einen Aufkleber, den man sich selbst in den Reisepass kleben kann. Irgendwie ist das also eher eine Art „Eintritt“, aber warum auch nicht!? Die ganze Einreiseprozedur ist sehr unproblematisch und mit einem deutschen Pass bekommt man vom Einreisebeamten sehr schnell den nötigen Stempel und wird an den weiteren Kontrollen beinahe durch gewunken.

Kaum draußen angekommen fallen, wie überall, Taxifahrer über einen her, die ihre Dienste anbieten. Mein Hotel ist zwar am Flughafen, aber natürlich trotzdem zu weit weg, um zu Fuß erreicht werden zu können. Ein besonders hartnäckiger Vertreter seiner Zunft (wenn er überhaupt ein „richtiger“ Taxifahrer ist), versucht mir zu erzählen, dass der nächste Shuttlebus, den das Hotel kostenlos anbietet, erst in 40 Minuten kommt. Er würde mich für 10 $ aber hin fahren. Ich lehne ab und sage, dass ich trotzdem lieber warten möchte, was ihn natürlich nicht besonders erfreut. Aber nach einigen weiteren Versuchen, mich von den Vorteilen seiner Dienstleistung zu überzeugen, lässt er schließlich ab. Wenige Minuten später kommt auch schon der Shuttlebus, über eine halbe Stunde zu früh offensichtlich, und bringt mich in 5 Minuten zum Hotel.

Dort angekommen werfe ich meine Tasche ins Zimmer und gehe sofort wieder, denn Mahmoud wartet bereits auf mich. Obwohl wir uns bisher nur virtuell kennen, ist es, als würde man einen alten Freund treffen. Auf dem Weg zum „Café Vergnano 1882“ werde ich über die Grundlagen der hiesigen Oldtimer-Gemeinde aufgeklärt und erfahre, dass Mahmoud am nächsten Tag leider abreisen muss, da er eine Gruppe Rekordfahrer von der sudanesischen Grenze abholen und zur israelitischen Grenze begleiten muss. Es handelt sich dabei um eine Rekordfahrt mit VW Touaregs von „Cape to Cape“ (Südafrika nach Norwegen). Wie ich später erfahren sollte, steht jetzt ein neuer Weltrekord für die 19.000 km lange Strecke durch 21 Länder von Cape Agulhas (Südafrika) zum Nordkap: 9 Tage, 4 Stunden, 9 Minuten und 27 Sekunden. Respekt – aber gesehen haben die Jungs vermutlich nicht viel. Wer sich dafür interessiert, findet hier mehr Information dazu.

Kaum am Café angekommen, rollt auch schon der 1928er Graham-Paige heran. Mahmoud muss sich zunächst um Beamer und Lautsprechen kümmern, während ich die Zeit nutze, um mich mit Hermann Zapp und seiner Frau Candelaria zu unterhalten. Dabei lerne ich zwei sehr bemerkenswerte Menschen kennen, deren Offenheit selbst mich erstaunt. Sie sind im Jahr 2000 aufgebrochen, um ihren Traum einer Reise nach Alaska zu verwirklichen. Zunächst war geplant, mit Rucksack per Anhalter etc. zu reisen. Kurz vor der Abreise kam jedoch der Graham-Paige dazwischen. Ein Freund hat Herman Zapp dieses Auto gezeigt, Herman hat sich spontan in den Wagen verliebt, obwohl er keine Beziehung und auch keine Ahnung von Oldtimern hatte. Aber vermutlich gerade deshalb, stand für ihn bald fest, dass sie die Reise mit diesem Auto machen mussten. Nach einigen Tagen hat er auch seine Frau überzeugt, die zunächst dachte, dass sich das alles ohnehin sehr bald erledigen würde. So brachen sie also am 25. Januar 2000 auf. Nur ganz wenige Freunde und Familienmitglieder kamen zum Abschied, denn alle meinten ja, dass die beiden sehr bald wieder da sein würden.





Die erste Panne stellte sich auch schon nach 50 km ein, was Herman jedoch nicht entmutigte. Aus den geplanten 6 Monaten wurden dann insgesamt gut 3 ½ Jahre, aus 12.000 Meilen wurden 43.000 und als sie in Alaska ankamen, waren sie außerdem zu dritt. Sohn Nahuel Pampa kam in den USA zur Welt. Als sie wieder zuhause waren, schrieben sie ihr erstes „richtiges“ Buch ("Spark your Dream", ISBN 978-987-23134-1-8), doch kaum war es fertig, machten sie sich wieder auf den Weg. Seitdem reisen sie in ihrem 1928er Graham-Paige um die Welt, fliegen nur ab und zu für kurze Zeit zurück nach Argentinien, um die Familie zu sehen. Mittlerweile sind sie zu sechst (!). Die drei jüngeren Kinder kamen in Argentinien (Tehue), Canada (Paloma) und Australien (Wallaby) zur Welt. Der Jüngste ist 7, der älteste 13. Sie werden unterwegs ganz offiziell von Cande, ihrer Mutter, unterrichtet und sind wirklich außergewöhnliche Kinder. Als das dritte Kind zur Welt kam, wurde der Oldtimer schlicht um einen halben Meter verlängert, um einer zweiten Sitzbank hinten Platz zu bieten.



Als es dunkel wurde, begannen die Zapp’s von ihrer Reise zu erzählen und davon, wie sie ihren Traum leben. Es ist geradezu inspirierend, ihnen zuzuhören. Es wundert mich dagegen nicht, dass die Lehren, die sie aus ihrer Reise bisher gezogen haben, nahezu deckungsgleich mit meinen eignen Erfahrungen sind. In der kommenden Woche brechen sie aus Cairo auf, um durch den Sinai nach Israel und schließlich weiter bis Europa zu fahren. Ich denke, in ca. 1 ½ Jahren werden sie in Deutschland sein und wir haben schon ausgemacht, dass ich einen Abend organisiere, bei dem sie auch hier von ihrer Reise erzählen können. Die externe Festplatte, die ich für Herman mit nach Deutschland genommen habe, enthält hoffentlich Daten für ein neues Buch, den das erste Buch handelt „nur“ von der Reise von Argentinien nach Alaska.







Aber zurück zu Ägypten. Im Lauf der Zeit haben sich ungefähr 60 Personen eingefunden, um den Vortrag der Zapp’s zu hören. Insgesamt stehen nun ein knappes Dutzend Oldtimer auf dem Parkplatz. Ich treffe Ahmed Mahrous, der mich morgen durch Cairos Garagen begleiten wird, und Tarek Sharaf, Besitzer eines wunderschönen 1972er Alfa Romeo 1750 GTV, einer 2007er Ducati Monster S4RS und Direktor des Desto Owner Club of Egypt. 


v.l.: Pampa (13, USA), Wallaby (6, Australia), Paloma (7, Canada), Tehue (11, Argentinien) mit Cande & Herman Zapp


Mit Mahmoud neben 1972 Alfa Romeo von Tarek Sharif


Als die Veranstaltung gegen 22 Uhr zu Ende ist und die meisten Gäste gegangen sind, fragt Ahmed, ob ich noch Lust hätte, heute noch  eine Garage anzuschauen, da wir dann morgen mehr Zeit hätten. Ich verabschiede mich also von Mahmoud mit dem Versprechen, bald wieder zu kommen und steige in einen Porsche 911 Carrera. Die nächtlichen Straßen Cairos in einem 911er zu erleben, hätte ich heute morgen auch noch nicht für möglich gehalten und so fahren wir durch die Nacht. Nach einigen Kilometern wechseln wir das Auto und steigen zu einem Freund Ahmeds, mit dem wir schließlich in einen Außenbereich von Cairo fahren. Die Gegend ist relativ neu gebaut, wobei die Leute hier scheinbar in Rohbauten wohnen. Die Straßen sind ebenfalls noch nicht fertig und due Frage, ob Häuser und Straßen jemals fertig gebaut werden, bleibt offen. Zu schnell wächst die Bevölkerung als dass sich jemand darüber ernsthaft Gedanken macht. Wenn ein Haus soweit, ist, dass man darin wohnen kann, wird eingezogen. Bei so wenigen Regentagen und selbst im Winter überwiegend angenehmen Temperaturen, scheint es eher unwichtig zu sein, ob alle Fenster drin sind. Und wer braucht schon gute Straßen? Hauptsache, man hat ein Dach über dem Kopf und ist überhaupt an das Straßennetz angebunden. Mir fallen bei dieser Gelegenheit die Argumente ein, die ich zuhause im Zusammenhang mit der Flüchtlingssituation immer wieder hören muss („...dafür hat man Geld, aber dafür, unsere Straßen zu reparieren, reicht es nicht mehr!“ oder so ähnlich) und mir wird wieder einmal klar, auf welchem Niveau bei uns gejammert wird und wie unangemessen das ist. Eigentlich mehr als beschämend!

Schließlich erreichen wir inmitten des Neubaugebietes ein fertig gestelltes Haus, das von einem hohen Zaun und einer Mauer umgeben ist. Nach mehrmaligem Hupen öffnet sich langsam ein Tor und man lässt uns einfahren. Bevor wir aussteigen wird der Hund noch angekettet. Das Haus hat eine Tiefgarage in der sich vielleicht 25 Autos in unterschiedlichem Erhaltungszustand befinden. Der Eigentümer, Yehya Rashdan, ist leider nicht zuhause, aber Ahmed kennt offenbar alle Autos. Besonders fällt mir eine ältere Mercedes S-Klasse auf. Es handelt sich dabei um eine Staatskarosse von Husni Mubarak, bis 2011 Staatspräsident der Arabischen Republik Ägypten. Besonders auffällig sind die Felgen und Reifen – wie sich bei näherer Untersuchung herausstellt, sind das Run-Flat-Tires, möglicherweise der ersten Generation. Ich weiß nicht, wie lange es solche Reifen schon gibt, aber solche habe ich zumindest noch nie gesehen, weder live noch auf Fotos.

Mubarak's Staatskarosse

eigenartige Run-Flat-Reifen

Camaro SS

rund 25 Autos in der Garage
Nachdem wir uns ausgiebig umgesehen haben, fahren wir zurück und Ahmed und sein Freund setzen mich weit nach Mitternacht am Hotel ab, das glücklicherweise auf dem Weg liegt.


Sonntag, 13. September

Um 8 Uhr werde ich abgeholt. Mahmoud hat für mich heute ein Sightseeing-Programm arrangiert. Wenn ich schon einmal hier bin, wollte ich zumindest die Pyramiden sehen und wenn es die Zeit erlaubt, vielleicht sogar das Ägyptische Museum. Mahmoud hat mir Marke und Farbe des Auto mitgeteilt, das mich abholen wird, sowie den Namen der Firma, der auf dem Auto steht. Derart gut informiert steige ich also pünktlich um 8 vertrauensvoll in den roten Wagen, dessen Fahrer so gut wie nicht englisch spricht. Wir fahren durch den morgendlichen Verkehr - Sonntag ist hier natürlich ein normaler Wochentag, dementsprechend ist der Verkehr. Wir kommen an der Zitadelle von Saladin vorbei, überqueren den Nil...


...und erreichen schließlich nach etwa einer Stunde die Pyramiden von Gizeh. Ein Mitarbeiter von Ahmed El Kabany steigt außerhalb der Anlage noch zu und wir fahren auf den Parkplatz. Meinen Rucksack lasse ich im Auto und auch meine Kamera muss ich noch abgeben. Im Inneren der Pyramiden ist fotografieren offiziell nicht erlaubt, erklärt Ashraf, der Guide der „alles weiß“, der mich hier schon erwartet. Er meint jedoch, dass ich meine kleine Kamera schon in der Hosentasche lassen kann und wir machen uns auf den Weg zum Eingang. Ich habe nicht erwartet, in die Pyramide hinein gehen zu können, da man sich normalerweise wochenlang vorher anmelden muss und die Zahl der Besucher auf täglich 300 begrenzt ist. Deshalb gehen auch die Guides alle nicht mit hinein, sondern erklären den Touristen im Freien das Wichtigste und warten dann, während sich die Gäste alleine auf den Weg zur Grabkammer im Zentrum der großen Pyramide machen. Ashraf jedoch macht Anstalten, mit hinein zu gehen und erklärt mir dabei, dass er hier der Direktor der ganzen Anlage ist und normalerweise nur Staatsgästen und VIPs als Guide zur Verfügung steht, hätte ihn sein Freund Ahmed El Kabany nicht gebeten, mir alles persönlich zu zeigen.


Die "große Galerie
Zusammen mit Ashraf Mohie El-Din, dem Ägyptologen, Archäologen, Antiquitäten-Inspektor und Direktor, mache ich mich also auf den Weg in die Cheops-Pyramide, mit heute noch knapp 139 m Höhe und einer Basislänge von rund 230 m die größte Pyramide der Welt. Schon bald trifft der knapp 30 m lange Gang, der nachträglich, möglicherweise um 832 von Al-Mamun, dem 7. Kalif der Abbasiden, in die Pyramide geschlagen wurde, auf den originalen Gang. Dieser führt vom weiter oben gelegenen, ursprünglichen Eingang, hinab in die Felsenkammer, die ca. 30 m unter dem Bodenniveau im gewachsenen Fels liegt. Gleich ganz in der Nähe des Kreuzungspunktes, wo auch die schräg liegenden Blockiersteine umgangen werden, beginnt der Korridor, der nun steil bergauf zur Großen Galerie führt. Es ist einigermaßen anstrengend, den nur 1,05 Meter breiten und 1,20 m hohen Gang nach oben zu gehen. Anfangs ist er sogar nur 0,97 m hoch. Nach 37 Metern mündet der enge Gang in die Große Galerie, die etwa doppelt so breit und etwa 8,5 m hoch ist. Die Steigung ist hier genauso wie im Korridor und nach 47 m ist die Ebene der Grabkammer erreicht, die nun durch einen weiteren engen (1,05 x 1,11 m) Gang mit knapp 7 m Länge erreicht wird. Klatschnass geschwitzt wegen der hohen Luftfeuchtigkeit in der Pyramide erreichen wir schließlich die Kammer. Sie ist etwa 10,5 x 5,2 Meter groß und 5,8 m hoch und verfügt über ein unglaubliches Echo. Da der Schall nirgends hin kann, muss man beim lauten Sprechen nach jedem Halbsatz eine Pause machen, bis das bisher gesagte verklungen ist.

Mit Ashraf in der Grabkammer

Der Sarkophag, dessen Deckel fehlt, misst 2,28 x 0,99 x 1,05 m und passte somit nicht durch die Korridore. Er musste also bereits beim Bau aufgestellt worden sein. Oberhalb der Grabkammer befinden sich fünf nach oben kleiner werdende Kammern, die der Druckverteilung dienen und das Gewicht der Pyramide um die Grabkammer „herumleiten“. Alles in allem sind das sehr erstaunliche Bauwerke. Erst recht, wenn man bedenkt, dass sie bereits rund 4.600 Jahre alt sind. Dagegen wurden die ersten Automobile gerade erst vor Kurzem gebaut...






Nachdem wir wieder im Tageslicht angekommen sind, zeigt mir Ashraf noch zwei Gräber auf der Ostseite der Pyramide.  Eines davon ist normalerweise nicht öffentlich zugänglich und mehrfach verschlossen. Es enthält die angeblich am besten erhaltenen Hyroglyphen, deren Detailreichtum angesichts des Alters wirklich unglaublich ist. Nun fahren wir noch mit dem Auto (Ashraf darf das) zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man alle drei großen Pyramiden hervorragend überblicken kann, bevor wir uns zur letzten Station der Besichtigungstour, zur Sphinx, aufmachen. Diese ist vergleichsweise klein, aber nicht weniger eindrucksvoll. Leider reicht die Zeit für eine ausgiebige Besichtigung nicht mehr und so machen wir uns wieder auf den Weg.



Ashraf, der beste Guide, den man sich vorstellen kann. Und "very entertaining" obendrein.



Wir fahren wieder durch den etwas chaotischen Verkehr, der in vielerlei Hinsicht an Indien erinnert, und treffen schließlich unter einer Brücke Tarek Sharaf, der mit seinem Sohn in einem neuen Lincoln Navigator mit Fahrer auf uns wartet. Der Fahrer navigiert uns weiter bis zur „Farm“ von Ahmed El Kabany, der bisher für meinen Tagesverlauf verantwortlich war. Bei der „Farm“ handelt es sich eher um ein Gestüt. Ahmeds Geschwister interessieren sich für Pferde, während Ahmed doch scheinbar mehr Interesse für Autos hat. Stolz zeigt er mir einen Schwimmwagen, der beinahe fertig restauriert ist. Vor der Garage parkt noch ein alter Hummer und ein alter Chevrolet Camaro, der jedoch schon deutlich bessere Zeiten gesehen hat. Da man aber auch in Ägypten keine Oldtimer einführen darf, legt er Wert auf originale Fahrzeuge, auch wenn sie sich in schlechtem Zustand befinden. Schließlich kann man sie ja restaurieren, denn die Einfuhr von Ersatzteilen ist unproblematisch.


Trotz des Verbotes werden jedoch Oldtimer eingeführt. Dazu zerschneidet man sie einfach in mehrere Teile, führt sie als Schrott/Ersatzteil ein und schweißt sie wieder zusammen. Das macht natürlich nur wenig Sinn und ist auch nicht ungefährlich, da die Substanz dabei ja erheblich beschädigt wird. Musste man früher ein Auto nur in zwei teile zerschneiden, müssen es heute schon vier Teile sein – die Behörden sind auch nicht dumm und haben längst erkannt, welcher Tricks man sich bedient. Solchen „chopped cars“ zieht Ahmed dann doch einen originalen Wagen vor, und sei er noch so schlecht.




Wir sitzen im Garten im Schatten und unterhalten uns über alte Autos, während Ahmed’s Angestellte zwei 4-sitzige Polaris RZR Off-Road-Fahrzeuge startbereit machen. Außerhalb der Farm, unmittelbar hinter der Mauer, die ich schon vom Flugzeug aus sehen konnte, stehen die Pyramiden von Sakkara in den Dünen der Sahara. Ich darf eines der Vehikel fahren und taste mich langsam heran. Als wir durch ein Tor sozusagen in die Wüste eingefahren sind, geht der Spaß los. Die Polaris-Teile gehen wie die Sau und s macht Spaß, durch die Dünen zu jagen. Da ich keine Erfahrung damit habe, gehe ich einigermaßen vorsichtig an die Sache heran. Al s etwas später Ahmed das Steuer übernimmt, ahne ich, wozu diese Fahrzeuge fähig sind. Nach einigen Runden durch die Dünen halten wir bei einer der Pyramiden. Wir besichtigen den alten Tempel, eine Grabstätte und auch hier wird für mich eine kleine, rostige Stahltür aufgesperrt, die einen alten Gang in die Pyramide freilegt, der normalerweise verschlossen bleibt.







Über 4.500 Jahre alt 


Was wartet hinter der Tür?
Mit Ahmed El Kabany


Wieder zurück auf der Farm, gibt es leckeres, landestypisches Essen und Ahmed fragt mich, ob ich am nächsten Tag noch etwas Zeit für das Ägyptische Museum habe.  Da mein Flug erst am Nachmittag geht, bejahe ich und er organisiert, dass ich wieder um 8 Uhr abgeholt werde.

tiefenentspannte Kamele im Verkehrschaos

Sein Fahrer und Tarek bringen mich zum Hotel zurück, wo ich um 18 Uhr von Ahmed Mahrous abgeholt werde. Er kommt wieder in seinem 911er und so fahren wir zunächst zum Kempinski Hotel. Der Hotelbesitzer ist gleichzeitig Ahmeds Partner in seinem neuen Restaurierungsbetrieb, Maxim Classic. Ahmed ist gelernter Börsenhändler, übt seinen eigentlichen Beruf aber nicht mehr aus, weil er lieber seiner Passion folgt und sich um alte Autos kümmert. Ahmed’s Geschäftspartner, der Hotelbesitzer, nennt einige Dutzend Oldtimer sein Eigen und hat schließlich gemerkt, dass es nicht viel Sinn macht, sie einfach nur zu besitzen. So hat er sich mit Ahmed zusammen getan, der sich nun in erster Linie darum kümmert, die Autos nach und nach zu restaurieren. Die Oldtimer wurde extra auf einen Parkplatz des Hotels verbracht, um sie mir zeigen zu können. Als wir das Hotel erreichen ist es längst dunkel. Sauber aufgereiht stehen die Rolls-Royces, Bentleys, Cadillacs, Buicks usw. da. Einige davon sind bereits fertig restauriert und soweit ich sehen kann, in hervorragender Qualität. Besonders die Innenausstattung eines Rolls-Royce macht einen derart erstklassigen Eindruck, dass man sich kaum vorstellen kann, dass das hier in Ägypten gemacht wurde. Andererseits, warum eigentlich nicht?!






Weiter geht’s durchs nächtliche Cairo. Mir fällt auf, dass es keinerlei Straßenschilder gibt. Hier muss man sich einfach auskennen, sagt Ahmed und steuert seinen 911er sicher durch das Chaos. Ein 911er Porsche ist sicherlich nicht das optimale Auto für diese Straßen und mehr als einmal schlägt die Federung hart durch. Hier nutzt auch niemand Navigationssysteme, denn die Stadt verändert sich so schnell, das sowieso kein System nachkommen würde. Als Ausländer wäre man total aufgeschmissen. Aber Ahmed weiß, wo es lang geht und schon bald erreichen wir die erste von mehreren Tiefgaragen. Die Autos gehören alle einem großen Sammler, Nazih Sallam. Ahmed erzählt mir unterwegs, dass kaum jemand all das sieht, was ich heute sehen werde, da sich die verschiedenen Sammler zwar voneinander wissen, sich aber nicht zwangsläufig näher kennen oder gar mögen. Daher gibt es nur wenige Leute, die Zugang zu allen Sammlungen haben und er gehört eben dazu, weil er sich um die Fahrzeuge kümmert und die Sammler das auch wissen.

Die erste Garage, die wir besichtigen, enthält überwiegend Fiats. In der zweiten Tiefgarage stehen hauptsächlich amerikanische Autos – von Ford A bis Camaro. Die dritte ist die „Englische Garage“ mit einigen Rolls-Royces, Bentleys und anderen britischen Marken, gefolgt von der Mini- und Karmann-Garage. Hier steht die wohl größte Karmann-Sammlung Ägyptens, wenn nicht Afrikas – ich erinnere mich an sieben verschiedene Karmann Ghia’s und einige Mini’s, unter denen besonders ein Woody heraus sticht.





Kreuz und quer fahren wir durch Cairo, von einer Tiefgarage zur nächsten Überall sind Leute damit beschäftigt, auf die Garage aufzupassen. In mehreren Garagen wohnt der Aufpasser mit seiner ganzen Familie. Ein durchschnittliches Gehalt solcher Leute liegt etwa bei 200 Euro. Für Leute vom Land kein schlechter verdienst, der es aber nicht erlaubt, sich in Cairo eine Wohnung zu mieten. Das Preisniveau auf dem Wohnungsmarkt der ägyptischen Hauptstadt ist mindestens auf Münchner Niveau, eher sogar sehr deutlich höher, wenn man die Qualität der Wohnungen mit einkalkuliert. Daher dürfen die Leute gleich hier wohnen und so sind meist ein, zwei Stellplätze mit Tüchern abgetrennt oder es gibt sogar einen separaten Raum, in dem die Familie wohnt. Die Garagen sind alle sehr sauber und hell, die Wände sind ordentlich weiß gestrichen. Da die Autos nicht oder so gut wie nicht gefahren werden, ist auch die Luft völlig in Ordnung. Ein Wäscheständer und spielende Kleinkinder zwischen den Oldtimern tragen zu dem für mich etwas bizarren Bild bei. Aber die Leute scheinen überhaupt nicht unzufrieden zu sein. Sie sind ausnahmslos freundlich und gleich mehrere sagen zu Ahmed, dass sie finden, ich würde dem Besitzer sehr ähnlich sehen. Auch Ahmed bestätigt das und meint auch, dass unsere Gestik und Art, zu sprechen, ehr ähnlich sein. Schade, dass ich ihn nicht kennenlerne, denn auch er hat Termine und ist leider nicht zugegen. Ein weiterer Grund, wieder her zu kommen.


Ein Ramses - das einzige Auto, das in Ägypten produziert wurde






Garage Nummer fünf steht unter einem besonderen Stern, nämlich dem aus Stuttgart. Gleich mehrere SL’s unterschiedlicher Baujahre parken hier nebeneinander. Die sechste und für heute letzte Garage schließlich enthält jede Menge VW Käfer, unter anderem eine Strech-Limousine.





Es ist bereits wieder fast Mitternacht, als wir die letzte Station der nächtlichen Tour durch Cairo’s Garagen erreichen: Die Werkstatt von „Maxim Classics“, die noch nicht ganz fertig eingerichtet ist. Auch hier passt jemand auf und öffnet uns mitten in der Nacht das Tor.



Auf dem Weg zurück zum Hotel stoppen wir noch auf einen „Absacker“ in einer modernen Shopping Mall. Der Absacker im „Tonino Lamborghini“ besteht aus einem leckeren Erdbeersaft und zwei Kugeln Eis. Da ich ja schon seit Jahren keinen Alkohol trinke, kommt mir das Getränkeangebot in muslimischen Ländern sehr entgegen, denn es gibt dort meistens wunderbare, frische Fruchtsäfte.
  
Als ich im Zimmer bin, ist es kurz vor halb zwei. Höchste Zeit zu schlafen, denn um 8 Uhr wartet bereits wieder ein Auto auf mich.


Montag, 14. September 15

Pünktlich um 8 klingelt mein Telefon. Ahmed El Kabany’s Mitarbeiter wartet in der Lobby und wir fahren zusammen zum Tahrir Platz. Der Platz liegt im geografischen Zentrum des Großraumes Cairo nahe dem rechten Nilufer. Hier war Ende Januar 2011 das Zentrum der Ägyptischen Revolution gegen Husni Mubarak, mit rund 100 Toten und tausenden Verletzten. Dementsprechend ist die Polizei- und Militärpräsenz sehr hoch.



Tahrir Platz
An der Nordseite der Tahrir Platzes liegt das weltberühmte Ägyptische Museum. Es enthält unzähliche Funde das alten Ägypter, die hier beinahe wie in einem Lagerhaus aufbewahrt werden. Die Beschreibung der Artefakte ist eher dürftig und so ergibt es sich sehr gut, dass ich im Garten des Museum zufällig neben einem Guide zu stehen komme, dessen Namensschild ihn ausweist, Ägyptologe und außerdem der deutschen Sprache mächtig zu sein. Wir einigen uns auf eine 2-stündige Tour und so komme ich in den Genuss einer hochinteressanten Zusammenfassung der Geschichte des alten Ägypten. Unglaubliche, jahrtausende alte Fundstücke, teilweise in einem Erhaltungszustand, der absolut unfassbar ist, bebildern den lebhaften Vortrag, der am Rosetta Stone (nein, Rosetta Stone ist nicht der Name der Gründerin der gleichnamigen Softwarefirma für Sprachlernprogramme, sondern einer Steintafel, die den gleichen Text auf drei Sprachen - Hieroglyphen, Demotisch und Altgriechisch – zeigt, somit der Schlüssel zur Entzifferung der Hieroglyphenschrift war und auf den Fundort der Tafel, Rosette, zurückgeht) beginnt und in der Tutanchamun-Abteilung endet. Eine große Tutanchamun-Ausstellung, die ich nicht besucht habe, ging gerade gestern in München zu Ende. Da trifft es sich doch gut, dass ich jetzt hier in Cairo diese unglaublichen Schätze aus dem 1922 von Howard Carter entdeckten Königsgrab im Original besichtigen kann. Der Erhaltungszustand der ausgestellten Fundstücke ist derart unglaublich, dass es manchmal schwerfällt, zu glauben, dass die ganze Geschichte überhaupt stimmt. Ledersandalen, die aussehen, als wären sie 50 und nicht über 3.300 Jahr alt. Kleine, verzierte Schachteln mit Spielen, prachtvolle Möbel und nicht zuletzt die vier großen, vergoldeten Schreine, in denen viele der wertvollsten Grabbeigaben aufbewahrt waren.

Eingang des Ägyptischen Museums



Fazit:

Die Oldtimer-Fans in Cairo haben sich sehr große Mühe gegeben, mir in der kurzen Zeit einen möglichst umfassenden Eindruck zu verschaffen. Ich habe an 2 Tagen über 300 Oldtimer gesehen und wieder einige neue Freunde gewonnen.

Cairo ist in jedem Fall eine Reise wert. Natürlich fasziniert mich auch hier die Oldtimerszene, die ich so nicht erwartet hätte. Ich bin jedenfalls froh, dass mich meine Leidenschaft schließlich auch hierher gebracht hat, denn die Pyramiden zu sehen, steht schon seit fast 40 Jahren auf meiner Liste. Diese grandiosen Bauwerke und das Ägyptische Museum sind Grund genug, dass man Cairo eigentlich unbedingt einmal gesehen haben muss.

Und ja, es passiert viel hier: Am letzten Freitag ist die gesamte Regierung zurückgetreten. Gestern wurden von der Polizei versehentlich 12 Menschen erschossen, die sich in einem Sperrgebiet aufhielten und irrtümlich für Terroristen gehalten wurden. Mitbekommen habe ich davon nichts, ich habe es, ähnlich wie zuhause, auch nur in den Nachrichten im Fernsehen gesehen und gehört. Ich habe ausschließlich liebenswerte Menschen getroffen und habe mich keine Sekunde unsicher gefühlt. Ahmed El Kabany hat mich eingeladen, bei meinem nächsten Besuch unbedingt meine Familie mitzubringen. Ich denke, das machen wir, hoffentlich bald.













Kommentare:

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